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Es begann nach dem großen Weltenkrieg, lange nach der Zeit, da auf Erden
und am Himmel wieder Ordnung herrschte. Denn der erste Mensch, geschaffen in
den Tempeln des Futonga und der verräterische Diener waren vertrieben.
Und es begab sich zu der Zeit, als Futonga von dem Rat der Weisen von
Korbina zurückkehrte und einen neuen Menschen machte. Da geschah es auch, dass
Bel-Schaog und sein Weib Agemia in den geheiligten Stätten des Futonga auf dem
höchsten Berg der Erde entstanden. Denn sie waren die ersten Menschen der neu
geschaffenen Rasse. Und ihre Haut war gelb, prächtig anzusehen ihre Statur. Und
da sie rein waren und ohne Makel, bekamen sie ein wundervolles Land, welches
sich im Norden entlang einer steilen Küste erstreckte.
Hinter dem Meer jedoch, auf einem riesigen Kontinent, lebten Menschen mit
einer weißen Haut und von großer Statur. Dorthin gelangten Bel-Schaog und sein
Weib Agemia aber zu keiner Zeit. Im Osten endete das Land, in dem Bel-Schaog
lebte, an einem breiten Fluss, der sich durch eine weite Steppe zog. Hin zu
anderen Rassen führte er. Und jenseits des großen Stromes gab es viele Stämme
mit einem gelben Aussehen, aber mit großer Statur. Im Süden grenzte das Land,
darin Futonga Bel-Schaog und Agemia setzte, an den dichten Wald wild wuchernder
Bäume und voller Schlingpflanzen. Daselbst lebten Stämme der schwarzen Rasse.
Aber denen war es zu jenen Zeiten verwehrt, aus dem dichten und dunklen Wald
herauszutreten unter die Menschen einer fremden Rasse. Darum, dass sie sich
nicht mit anderen Hautfarben vermengten. Im Westen endete das Land des
Bel-Schaog und seines Weibes Agemia an den vier mächtigen Bauwerken, darin die
Diener des Himmels und die Gebieter von Korbina lebten. Diese Stätten waren von einer
hohen Mauer umgeben. Und kein Menschenwesen konnte dahinter sehen. Denn es war
allen Völkern auf Erden verwehrt, in das Innere dieser Bauwerke zu treten.
Und es gab für ein jedes Volk auf Erden einen himmlischen Diener mit einem
prunkvollen Tempel, umgeben von gewaltigen Mauern. Ehern waren sie, hielten
jedem Angreifer stand. Es gab nichts, was sie zerstören konnte. Und es
geschahen seltsame Dinge hinter diesen Mauern im Innern der Tempel. Dort warden
die Worte der Weisheit gesprochen und den Menschen großes Wissen gelehrt. Von
da fuhren die himmlischen Heerscharen in die Welten oder kamen von dort.
In einem dieser geheiligten Tempel der Sternenwesen hatte auch der gütige
Inu, himmlischer Sohn des allmächtigen Futonga, sein Lager und seine Gemächer.
Und Inu war der Gebieter und der Beschützer über den Stamm des Bel-Schaog und
seines Weibes Agemia und all deren Nachfahren. Inu schrieb einst ihre
Geschichte nieder in den unvergänglichen Werken auf Korbina. Er machte ein
großes Volk aus den Menschenkindern derer des Bel-Schaog. Er verhalf ihnen zu
großer und wundervoller Blüte. Aber er strafte auch die Widerspenstigen, die
Aufsässigen und die Bösen. Und er kannte keine Gnade, denn sein Strafgericht
war gerecht.
Inu, der Sohn des Futonga, verweilte viele Menschenalter bei seinen
Erdenkindern. Er führte sie durch mancherlei Gefahren und Nöte und überwand
ungezählte Klippen, rettete sie vor dem frühen Tod, vor Kriegen und vor
Schlachten, wehrte manche Angreifer ab, die da in das Land des Bel-Schaog und
seiner Kinder eindringen wollten. Denn Inu war unsterblich und unbesiegbar. Inu
war mächtiger denn, als alle Menschengeschlechter auf Erden und auf allen
anderen Welten zusammen. Inu war der Herr des Volkes, das da lebte im Lande
jenseits seines Tempels.
Dort in den Stätten, wo einst Algon und Omea, die ersten Menschen, nach dem
Bilde Futongas entstanden, schufen die himmlischen Gebieter die neuen Rassen
mit ihrem verschiedenen Aussehen. Da warden auch Bel-Schaog und Agemia aus den
Stoffen der Vergangenheit gemacht. Geformt aus den Leibern der im ewigen Eis
ruhenden Toten, gespeist mit Organen aus dem Topf des unvergänglichen Lebens.
Und sie durchfluteten diesen Körper mit dem Geist, entnommen dem sprudelnden
Wasser der Ewigkeit, darin die großen Geheimnisse allen Seins verborgen sind.
Und als Bel-Schaog und Agemia vollendet waren, da brachte sie Futonga in
einem fliegenden Boot in das Land, das ihnen zugedacht. Durch die Lüfte
schwebten sie dahin, über den weiten Ozean. Lautlos wie der Wind war ihr Flug.
Der allmächtige und gütige Futonga selbst lenkte das prächtige und im
Sonnenlicht glänzende Flugboot über die Lande. Und bald gelangten sie an ihr
Ziel, in die Ebenen, die Täler und Berge, die fortan die Heimat von Bel-Schaog
und seinem Weibe Agemia waren, wo sie sich vermehren sollten und die Früchte ihrer
Saat ernten durften. Noch aber war das weite Land unbepflanzt. Kein Halm wuchs
auf dem Boden. Öde und vertrocknet lag es da. Kleine Bäche zogen durch die
Wüstenei. Und inmitten dieser Einsamkeit setzte Futonga die beiden Menschenwesen
zu jenen Zeiten ab. Und Bel-Schaog, der Mann, und Agemia, das Weib, sie trugen
keine Kleider an ihrem Körper. Doch ihrer Nacktheit schämten sie sich nicht.
Da sprach Futonga zu Bel-Schaog, als sie das Land betraten: „Nimm dein Weib
und führe es durch diese weiten Ebenen. Gehet dahin, bis ihr fruchtbare Täler
und Weiden findet. Dortselbst lasset euch nieder. Da baut eure Hütte. So seid
ihr geschützt vor wilden Tieren und vor den Launen der Natur, vor Unwettern und
vor Blitz und Donner. Verkriecht euch nicht in Erdlöchern oder Höhlen. Denn
darin warten Pest und Verderben auf euch. Doch wenn deine Füße auf dem dornigen
Boden schmerzen und du dich nicht hinweg begeben willst, wo die Erde glatt und
ohne Hindernisse ist, so bleibe hier an diesem Ort. Aber wenn du ein fruchtbares
Land gefunden hast, werde ich erneut zu dir kommen. Gegen die Schmerzen deiner
Füße tue etwas. Schütze sie vor den Dornen. Und nun gehet dahin. Die Sonne wird
euch auf eurem Weg begleiten auf das Ihr nicht in die Irre lauft.“
Futonga wandte sich ab, bestieg das gewaltige Himmelsschiff und verschloss
die Pforten des fliegenden Rosses. So blieben Bel-Schaog und sein Weib Agemia
alleine zurück. Einsam und allein, sich selbst und ihrem Schicksal überlassen.
Und das Sternenschiff hob ab. Hoch wirbelte es den Staub auf. Erschreckt wichen
Bel-Schaog und sein Weib zurück. Hinter einem Hügel verbargen sie sich, damit
der feurige Strahl des Sternenbootes sie nicht traf. Da kam ein Donnern und ein
Beben. Denn mit lautem Getöse verschwand das gewaltige Gefährt am Himmel. Ihn
Ehrfurcht verbargen Bel-Schaog und Agemia ihr Angesicht im Wüstensand. Denn sie
fürchteten sich sehr vor dem mächtigen Ungetüm, welches sie durch die Lüfte in
dieses fremde Land brachte.
Langsam verstummte das Getöse, als der Himmelswagen über den Wolken
verschwand. Und bald hatte sich auch der aufgewirbelte Wüstensand gelegt. Da
endlich erhoben sich Bel-Schaog und sein Weib Agemia. Sie wischten den Staub
von ihrem nackten Körper und blickten gen Himmel empor. Doch das Gefährt aus
Stahl war verschwunden und nicht mehr zu sehen. Keinen Laut konnten die beiden
Menschenwesen von dem himmlischen Wagen vernehmen. Nur der Wind streifte ihre
Körper. Die Furcht wich von Bel-Schaog und Agemia. Und sie standen verlassen
inmitten der Sonnenglut. Da ergriff der Mann die Hand seines Weibes und
wanderte mit ihr durch die Wüste. Unbarmherzig brannte die Sonne vom Himmel
herab. Den beiden Menschen schwanden die Sinne. Sie waren sehr hungrig und
hatten großen Durst. Doch es gab nichts in der öden Wüstenei. Und Bel-Schaog
trieb sein Weib voran, auf das sie nicht verbrannten in der Einsamkeit.
Über viele Hügel voller Sand führte sie ihr Weg. Dann endlich, nach langer
Wanderschaft, gelangten sie zu der Zeit, da die Sonne sich dem Horizont neigte,
an den Rand eines fruchtbaren Tales. Dort gab es saftige Wiesen, Bäume und
Sträucher, mit mancherlei Gewächsen. Doch bevor Bel-Schaog und Agemia den Berg
hinab schritten, legten sie sich an den seichten Hang. Denn sie waren sehr
erschöpft. Ihre Beine schmerzten, schwer ging ihr Atem, ausgetrocknet war ihre
Kehle, ausgedorrt und dröhnend ihr Kopf. Sie besaßen nicht mehr die Kraft der
Wanderung ins Tal hinab. Zu beschwerlich schien ihnen dieser kurze Weg. Erst
nach erholsamer Rast machten sie sich auf in diese schöne Ebene. Beim Anblick
der Wonne gedachte Bel-Schaog der Worte des gütigen Inu. Und da dankte er ihm
für seine Rettung und für das Geschenk des Lebens. Er dankte ihm auch für den
Weg, den er sie geleitete. Und er schloss die Erinnerung an Inu fest in sein
Herz ein.
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