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Botschaft aus der Schattenwelt  

Das Betakreuz
Science fiction
ISBN 3-88325-581-5
The World of Books Ltd
Paperback
177 Seiten
€ 5,--

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Leseperobe

Die beiden nordamerikanischen Archäologen Dr. Curt Olsen und Dr. Joseph Ashley hielten sich bereits seit mehr als drei Monaten in der zerklüfteten Bergwelt der peruanischen Anden auf. Fernab von jeglicher Zivilisation, inmitten einer einsamen und öden Hochebene. Die Luft war hier verdammt dünn und die Arbeit strengte mächtig an. Ihre Aufgabe bestand darin, mit einer Vielzahl von Helfern, meist Eingeborene aus den nächsten Dörfern des Hochlandes, unter Schutt und Geröll begrabene Inkasiedlungen freizulegen. Ob sie fündig werden würden, wußten sie freilich nicht. Denn die Arbeit der Archäologen erwies sich als mühselig und sehr langwierig. Jeder einzelne Spatenstich mußte nach Spuren untersucht werden.
Eigentlich kam es nur durch puren Zufall zu den jetzigen Ausgrabungen, nachdem ein Bauer beim Pflügen seines Ackers mehrere vorgeschichtliche Tonscherben fand. Clever, wie er war, berichtete er von seinem Fund sofort den zuständigen Behörden, um eine saftige Belohnung zu kassieren. Dann aber dauerte es doch noch einige Zeit, bis sich ein Expertenteam fand, das die Ausgrabungen leiten und durchführen wollte. Eine Routinearbeit sollte es werden. Daß die Wissenschaftler bei ihren Ausgrabungen eine sensationelle Entdeckung machen würden, ahnten sie natürlich nicht. Und so stellte sich ihre Arbeit anfangs wie jede andere Ausgrabung auch dar.
Eines Tages stießen die Archäologen mit ihrem Team auf felsigen Untergrund. Die Arbeiter zeigten sich überrascht, als ihre Spitzhacken auf den harten Boden trafen. Ein hartes Stück Arbeit begann. Schon bald entpuppte sich die Freilegung als Reste eines großen Tempels. Doch von der wohl einstigen Pracht zeugte nicht mehr viel. Nur vereinzelte Säulen standen noch an ihrem ursprünglichen Platz. Verwittert und vermodert waren die Malereien und kaum zu erkennen. An anderen Stellen entdeckten die Männer weitere Säulen, die kreuz und quer im Erdreich verstreut lagen.
 Wochen vergingen. Endlich war es geschafft, der Tempel von Schutt und Dreck befreit. So konnte man nun deutlich den früheren Grundriß des Bauwerkes erkennen. Vereinzelte Mauerreste deuteten Räume und Säle an, in denen einst ein großartiges Königtum regiert haben mußte. Neben dem Haupttempel befand sich noch ein kleinerer Anbau, der zum größten Teil unter den Erdmassen der Verwitterung trotzte. Von dort führte ehemals ein gepflasterter Weg zu einem zusätzlichen Bauwerk. Monatelang dauerten die weiteren Ausgrabungen, dann hatten die Arbeiter auch diesen Tempel vom Geröll befreit.
Olsen und Ashley schritten über die freigelegten Wege. Sie waren stolz auf ihre Arbeit und bestaunten die verfallenen Bauwerke. Sie konnten nun mit genaueren Untersuchungen beginnen. In einem der Tempel entdeckten die beiden Reste von Malereien an den Wänden, fanden da geheimnisvolle Schriftzeichen, die ihnen vollkommen fremd vorkamen. Wer mochten die Erbauer dieser Stätte gewesen sein? Welchem Gott oder Fürsten zu Ehren warden diese Tempel errichtet? Wie hieß der Herrscher oder König, der in diesem großen Bauwerk regierte?
Aus den Schriftzeichen und Malereien ergab sich kein Hinweis auf die Baumeister oder eine bestimmte Kultur. Nichts von dem, was die Archäologen fanden, ließ den Schluß auf ein konkretes Volk zu. Inka hatten wohl nicht dieses Bauwerk errichtet. Die ganze Art und Weise der Verarbeitung, die Skulpturen und auch die Malereien sowie die vielen Fresken entsprachen nicht deren Kultur.
In einem der Innenhöfe nahmen Olsen und Ashley Vermessungen des Bodens vor. Plötzlich entdeckte Dr. Ashley etwas sehr außergewöhnliches. Er bückte sich und schabte mit den Fingern den Schmutz von dem steinernen Untergrund.
"Curt kommen Sie! Sehen Sie sich diese Ritzen da im Boden an. Sieht ganz so aus, als würde dahinter irgend etwas verborgen sein. Bestimmt eine Grabkammer. Vielleicht finden wir sogar eine alte Mumie von dem ehemaligen Herrscher", sagte er zu seinem Kollegen.
Dr. Olsen kam näher und beugte sich nieder. "Ja, könnte sein", entgegnete er nachdenklich und rieb sich am Kinn.
Mit ihren Händen scharrten die beiden Männer den restlichen Dreck beiseite, bis sich klar die Umrisse der Steinplatte erkennen ließen. Sie holten Stemmeisen und Meißel und versuchten, den Verschluß aus seiner Verankerung zu heben. Es gelang ihnen nicht. Schweißtriefend und schwer atmend hockten sie sich auf den Boden. Ashley schüttelte den Kopf und zog seine Stirn in Falten.
"Das Ding kriegen wir so nicht auf", stellte er fest und schaute nachdenklich auf die Steinplatte, als könne er die Antwort da ablesen.
Olsen nickte und zündete sich eine Zigarette an. Tief sog er den Rauch ein und genoß den blauen Dunst.
"Holen wir ein paar Arbeiter her. Wir kriegen das Schloß schon auf", sagte Olsen, nachdem er aufgeraucht hatte.
Er pfiff durch die Finger. Die Arbeiter schauten zu ihm herüber. Er winkte und rief einige zu sich. Schließlich gelang ihnen unter großer Anstrengung, die Bodenplatte zu bewegen. Mühsam war es, sie aus ihrer Verankerung zu heben. Doch dann hatten sie es endlich geschafft. Sie schauten in die Öffnung und entdeckten eine Steintreppe. Sie führte im Dunkeln tief unter den Tempelbau.
Die Arbeiter machten sich wieder an ihre bisherige Aufgabe. Ashley und Olsen holten zwei Lampen aus ihrer Ausrüstung. Langsam schritten sie die Stufen hinab. Ihre Schritte hallten in den kahlen und dunklen Gängen wider. In vielen Verzweigungen führte der Weg immer tiefer in die verborgenen Reste dieses antiken Bauwerkes. Glatt, wie mit Steinfräsen bearbeitet, waren Wände und Decken. Auch die verstaubten Treppenstufen zeugten von meisterhafter Arbeit. Eine Steintreppe, gegossen wie auf dem Fabrikationsband eines modernen Betonwerkes. In den düsteren Gängen zeigten sich keine Hinweise auf die Erbauer. Keine Schriftzeichen oder Malereien an den Wänden, was sich schon als außergewöhnlich darstellte. Keine Ornamentverzierungen, keine Nischen mit Stauen, keine Reliefs. Nur ein kalter und schlichter Gang. Trostlos und geheimnisvoll zugleich.
Ihr Forschergeist trieb die beiden Wissenschaftler unaufhaltsam weiter. Auf endlos erscheinenden Stufen ging es immer tiefer ins Erdinnere. Manchmal mußten die beiden Männer lange und schmale Gänge passieren, bis erneut Treppenstufen nach unten führten. An jeder Verzweigung machte Dr. Olsen ein Kreidezeichen an die Wände, damit sie sich nicht in dem Irrgarten verliefen. Jeden Winkel und jede Ecke leuchtete Dr. Ashley aus. In der Hoffnung, irgendeinen Hinweis oder eine besondere Entdeckung zu machen. Aber nichts dergleichen.
Wände und Decken waren genauso wie der Boden auch hier unten exakt geschliffen. Keine Unebenheit weit und breit. Dennoch breitete sich Enttäuschung in den Gesichtern der Wissenschaftler aus, nachdem sie auch so tief unten keinerlei Schriftzeichen oder ähnliches finden konnten.
Doch sie ließen sich nicht aufhalten. Immer weiter gingen die beiden die ungewissen und düsteren Treppenstufen hinunter. Schritten durch fast nichtendende Gänge, gelangten in leere und kahle Räume, von denen wiederum verschiedene Gänge abzweigten. Fast drohend schienen die Felswände sie anzustarren, als wollten sie die Eindringlinge vertreiben. Es herrschte unheimliche Stille. Nur das hallen ihrer Schritte wirkte gespenstisch in den kahlen Gemäuern.
Plötzlich ging es nicht mehr weiter. Eine Felswand versperrte den Archäologen den Weg. Sie befanden sich in einer Sackgasse. Sie gingen zurück bis zur nächsten Abzweigung und versuchten es in einem anderen Gang. Aber auch hier das gleiche. Also probierten sie es überall in dem Labyrinth. Aber alle Wege endeten vor einer grauen Wand. Nirgends ein Hebel, der ihnen die Hindernisse beseitigte.
Sollte hier Endstation sein? In stummen Gängen tief unter dem Erdreich? In kahlen Räumen, die nicht einmal einen simplen Sarkophag verbargen? Ohne den geringsten Gegenstand? Nicht mal Wandzeichnungen. Trostlos wie in einem Bergwerkschacht. Nichts deutete auf die Grabkammer eines Inkafürsten hin. Nichts auf einen rituellen Ort, einen Opferstein, eine Schatzkammer. Waren andere vor ihnen schon hier? Grabräuber, die die Schätze an sich nahmen? Es konnte nicht sein. Hatten sie doch diese Stätte in mühseliger Arbeit erst freigelegt.
"Das ergibt keinen Sinn", stellte Olsen fast enttäuscht fest. "Wer errichtet solch ein aufwendiges Bauwerk? Plagt sich ab, schuftet bis zur Erschöpfung? Nur für nichts und wieder nichts. Eine nichtssagende Ruine."

 

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