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Autorenhomepage Horst Fesseler |
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Der beschwerliche Weg zum ersten Buch Zu jener Zeit ahnte ich freilich
nicht, was das Schreiben mir eines Tages bedeuten sollte. Und dennoch musste ich
es gespürt haben. Ich entwickelte mich in Deutsch zu einem guten Schüler und
ärgerte mich maßlos über jeden noch so kleinen Fehler, den ich machte. Oft
grübelte ich stundenlang nach, wie es zu solchen Desastern, die meist auf
Unachtsamkeit beruhten, kommen konnte. Später, in der Berufsschule, stand
alle zwei Wochen ein Aufsatz an. Der Lehrer gab uns drei Themen vor. Ein
Soziales, ein Allgemeines und ein Erlebnis. Ich hatte mich stets für die dritte
Alternative entschieden und schrieb meist fiktive Geschichten. Mir war es
unwichtig, ob sie wahr oder erfunden waren. Hauptsache ich hatte meinen Spaß am
Schreiben. Eine Woche später bekamen wir unsere Arbeiten korrigiert zurück. Der
Lehrer machte daraus jedes Mal einen Akt der Spannung und des Nervenkitzels. Der
ganze Vorgang dauerte gut und gerne eine halbe Stunde. Immer war ich der letzte,
dem der Lehrer seinen Aufsatz in die Hand drückte, nicht ohne belobigende Worte,
die mich mitunter sehr verlegen machten aber auch mit Stolz erfüllten. Ich
akzeptierte, dass ich fast jedes Mal der Beste war. Und so begann vor mehr als
40 Jahren mein erster schriftstellerischer Versuch, eher für den Hausgebrauch
als für die Allgemeinheit. Das Schreiben faszinierte mich in den Folgejahren
immer wieder aufs Neue. Während meiner Zeit bei der Bundeswehr fing ich an,
meine Notizen zur Altertumsgeschichte zu Papier zu bringen. Ich interessierte
mich schon von Kindesbeinen an für mystische und unerklärliche Dinge, stellte
Fragen, auf die mir kaum jemand Antworten geben konnte, weswegen ich häufig als
lästig empfunden wurde. Besonders das geheimnisvolle Atlantis hatte es mir
angetan. Ich stöberte in Dutzenden von Büchern, wälzte Lexika und Fachliteratur,
meinte, das Rätsel lösen zu können und schrieb jeden Gedanken nieder. Atlantis
wurde trotzdem nicht entdeckt, soviel ich auch schreiben konnte. Dann brachte
mich Erich von Dänikens erstes Buch "Erinnerungen an die Zukunft" auf die Idee,
dass hochtechnisierte Zivilisationen im Altertum von extraterrestrischen
Besuchern geschaffen sein konnten. Dennoch lebte Atlantis in mir weiter. Es war
zum Symbol für Wohlstand und Wissen im Altertum geworden. Mehr als zehn Jahre
nach meinem Ausscheiden bei der Bundeswehr nach dreijährigem Dienst sollte dann
mein erster Roman entstehen. Es war zu einer Zeit, als ich wegen einer Operation
mehrere Monate krank war. Hinzu kamen noch Diskrepanzen mit meiner ersten Frau.
Wir brachen die diplomatischen Beziehungen ab, hatten uns innerhalb von zwei
Jahren mehr und mehr auseinander gelebt. Ich zog mich in mein Büro zu Hause
zurück und schrieb auf Teufel komm raus, was mir gerade so einfiel. Die ersten
Notizen machte ich handschriftlich, tippte sie dann mit einigen Korrekturen und
Ergänzungen in die Schreibmaschine, um sie hinterher wieder und wieder zu
verbessern. Ich weiß nicht, wie viel Papier ich damals verbracht habe. Ich weiß
nur, wie aufwändig und umständlich das ständige Tippen war. Heute mit dem
Computer ist es eine Wohltat! Ich dachte damals nicht, dass ich jemals ein
umfangreiches Manuskript mit mehr als 200 Schreibmaschinenseiten zusammen
kriege. Aber die Lust kam mit dem Schreiben. Unaufhörlich sprudelten die
Gedanken heraus und wollten zu Papier gebracht werden. Nach über einem halben
Jahr war ich fertig. Ein dicker Packen Papier lag vor mir. Stolz blätterte ich
die Seiten von vorne bis hinten durch und stellte mir vor, wie diese Zeilen wohl
in gedruckter Form aussehen würden. Nun überlegte ich, wie ich mein Werk an
den Mann - sprich den Verlag - bringen konnte. Wochenlang grübelte ich nach,
verwarf meine Ideen wieder, dachte mir neue aus und legte das Manuskript wieder
zurück in die Schublade. Ein wichtiger Grund der Unentschlossenheit war meine
Feigheit vor dem eigenen Talent. Ich schämte mich sogar, meine Arbeit Kollegen
oder Freunden zum Lesen zu geben. Die lachen dich bloß aus, titulieren dich als
Spinner oder Fantasten, der nicht weiß, was er in seiner Freizeit treiben soll,
dachte ich. Meine Familie bekam das Manuskript auch nie zu Gesicht. Für sie wäre
ich der absolute Fantast gewesen, der sinnlosen Träumereien hinterher jagt. So
habe ich mein Werk gehütet wie einen geheimen Schatz, damit ja keiner davon
wusste. Irgendwann nahm ich all meinen Mut zusammen und schickte das Manuskript an eine Literaturagentur. Die Adresse fand ich im Adressbuch für den Buchhandel, einem dicken Wälzer, der mich damals über hundert Mark kostete. Sollen die sich bei der Agentur über meine Kritzeleien kaputt lachen, wenn sie wollen. Mir war es völlig egal ...
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