Autorenhomepage Horst Fesseler

 
 
   
Botschaft aus der Schattenwelt  

Autoren fallen nicht vom Himmel
Erzählungen
ISBN 3-937187-04-9
Wabe Verlag
Paperback
125 Seiten
€ 8,50

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Leseprobe

Der beschwerliche Weg zum ersten Buch
Niemals sollst du verzagen bei dem, was du erreichen willst. Denn der Erfolg ist ein unsichtbarer Begleiter auf deinem Weg.


Meine ersten Schreibversuche machte ich bei der Einschulung Mitte der Fünfziger Jahre. Heute beginnt das Schuljahr im Sommer. Damals kam man nach den Osterferien zur Schule. Die Älteren werden sich bestimmt noch daran erinnern. Und weil es so schön passte, begannen wir mit dem "O" als ersten Buchstaben. Der bot sich hervorragend zur Übung an, hatte er doch die typische Form eines Ostereis. Weil Osterei mit O beginnt, konnte ich mir das sehr gut merken. Wir machten damals unsere ersten Schreibversuche auf einer Schiefertafel, damit nicht zu viel Papier vergeudet wurde. Das Quietschen des Griffels klingt mir heute noch in den Ohren. Nach dem "O" lernte ich das "i". Nach dem Motto "Auf-ab-Auf, Pünktchen drauf" klappte das ganz gut. Anschließend ging es Schlag auf Schlag, bis wir alle Buchstaben des Alphabets durch hatten. Nun begannen wir, die ersten Wörter zu schreiben, zwar einfache Buchstabenkombinationen, aber immerhin.

Zu jener Zeit ahnte ich freilich nicht, was das Schreiben mir eines Tages bedeuten sollte. Und dennoch musste ich es gespürt haben. Ich entwickelte mich in Deutsch zu einem guten Schüler und ärgerte mich maßlos über jeden noch so kleinen Fehler, den ich machte. Oft grübelte ich stundenlang nach, wie es zu solchen Desastern, die meist auf Unachtsamkeit beruhten, kommen konnte.

Später, in der Berufsschule, stand alle zwei Wochen ein Aufsatz an. Der Lehrer gab uns drei Themen vor. Ein Soziales, ein Allgemeines und ein Erlebnis. Ich hatte mich stets für die dritte Alternative entschieden und schrieb meist fiktive Geschichten. Mir war es unwichtig, ob sie wahr oder erfunden waren. Hauptsache ich hatte meinen Spaß am Schreiben. Eine Woche später bekamen wir unsere Arbeiten korrigiert zurück. Der Lehrer machte daraus jedes Mal einen Akt der Spannung und des Nervenkitzels. Der ganze Vorgang dauerte gut und gerne eine halbe Stunde. Immer war ich der letzte, dem der Lehrer seinen Aufsatz in die Hand drückte, nicht ohne belobigende Worte, die mich mitunter sehr verlegen machten aber auch mit Stolz erfüllten. Ich akzeptierte, dass ich fast jedes Mal der Beste war. Und so begann vor mehr als 40 Jahren mein erster schriftstellerischer Versuch, eher für den Hausgebrauch als für die Allgemeinheit.

Das Schreiben faszinierte mich in den Folgejahren immer wieder aufs Neue. Während meiner Zeit bei der Bundeswehr fing ich an, meine Notizen zur Altertumsgeschichte zu Papier zu bringen. Ich interessierte mich schon von Kindesbeinen an für mystische und unerklärliche Dinge, stellte Fragen, auf die mir kaum jemand Antworten geben konnte, weswegen ich häufig als lästig empfunden wurde. Besonders das geheimnisvolle Atlantis hatte es mir angetan. Ich stöberte in Dutzenden von Büchern, wälzte Lexika und Fachliteratur, meinte, das Rätsel lösen zu können und schrieb jeden Gedanken nieder. Atlantis wurde trotzdem nicht entdeckt, soviel ich auch schreiben konnte. Dann brachte mich Erich von Dänikens erstes Buch "Erinnerungen an die Zukunft" auf die Idee, dass hochtechnisierte Zivilisationen im Altertum von extraterrestrischen Besuchern geschaffen sein konnten. Dennoch lebte Atlantis in mir weiter. Es war zum Symbol für Wohlstand und Wissen im Altertum geworden. Mehr als zehn Jahre nach meinem Ausscheiden bei der Bundeswehr nach dreijährigem Dienst sollte dann mein erster Roman entstehen. Es war zu einer Zeit, als ich wegen einer Operation mehrere Monate krank war. Hinzu kamen noch Diskrepanzen mit meiner ersten Frau. Wir brachen die diplomatischen Beziehungen ab, hatten uns innerhalb von zwei Jahren mehr und mehr auseinander gelebt. Ich zog mich in mein Büro zu Hause zurück und schrieb auf Teufel komm raus, was mir gerade so einfiel. Die ersten Notizen machte ich handschriftlich, tippte sie dann mit einigen Korrekturen und Ergänzungen in die Schreibmaschine, um sie hinterher wieder und wieder zu verbessern. Ich weiß nicht, wie viel Papier ich damals verbracht habe. Ich weiß nur, wie aufwändig und umständlich das ständige Tippen war. Heute mit dem Computer ist es eine Wohltat!

Ich dachte damals nicht, dass ich jemals ein umfangreiches Manuskript mit mehr als 200 Schreibmaschinenseiten zusammen kriege. Aber die Lust kam mit dem Schreiben. Unaufhörlich sprudelten die Gedanken heraus und wollten zu Papier gebracht werden. Nach über einem halben Jahr war ich fertig. Ein dicker Packen Papier lag vor mir. Stolz blätterte ich die Seiten von vorne bis hinten durch und stellte mir vor, wie diese Zeilen wohl in gedruckter Form aussehen würden.

Nun überlegte ich, wie ich mein Werk an den Mann - sprich den Verlag - bringen konnte. Wochenlang grübelte ich nach, verwarf meine Ideen wieder, dachte mir neue aus und legte das Manuskript wieder zurück in die Schublade. Ein wichtiger Grund der Unentschlossenheit war meine Feigheit vor dem eigenen Talent. Ich schämte mich sogar, meine Arbeit Kollegen oder Freunden zum Lesen zu geben. Die lachen dich bloß aus, titulieren dich als Spinner oder Fantasten, der nicht weiß, was er in seiner Freizeit treiben soll, dachte ich. Meine Familie bekam das Manuskript auch nie zu Gesicht. Für sie wäre ich der absolute Fantast gewesen, der sinnlosen Träumereien hinterher jagt. So habe ich mein Werk gehütet wie einen geheimen Schatz, damit ja keiner davon wusste.

Irgendwann nahm ich all meinen Mut zusammen und schickte das Manuskript an eine Literaturagentur. Die Adresse fand ich im Adressbuch für den Buchhandel, einem dicken Wälzer, der mich damals über hundert Mark kostete. Sollen die sich bei der Agentur über meine Kritzeleien kaputt lachen, wenn sie wollen. Mir war es völlig egal ...

 

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